Eine einfache, jedoch kraftvolle Frage: #Whomademyclothes?

Die Fashion Revolution Week wird von Menschen betrieben mit der Vision, die Welt ein bisschen besser zu machen, indem sie sie dazu bewegt, die Geschichte hinter den Bekleidungsmarken besser zu verstehen, die sie kaufen. Wir sind stolz, ein Teil dieser Bewegung zu sein und die Frage ‚Wer hat meine Kleidung gemacht?’ stets beantworten zu können.

Die Revolution beginnt zunächst klein – mit einem Kleidungsetikett und einem Bedürfnis nach Antworten. Eine Woche lang sind wir alle eingeladen, ein Foto eines Kleidungsstücks - mit einem Etikett versehen - zu machen und das Unternehmen, das es hergestellt hat, nach den Einzelheiten seiner Lieferkette zu fragen.

Wer hat meine Kleidung gemacht?

Diese Frage scheint durchaus berechtigt zu sein. Daher haben wir uns gedacht, wir beantworten die Frage, indem wir eine Gruppe von Kunsthandwerkern ins Rampenlicht rücken, die ihre eigene Revolution durch die Infragestellung der Geschlechternormen und die Erhebung und Stärkung ihrer Dorfgemeinschaften vorantreiben.

Diese Kunsthandwerker-Vereinigung heißt K'amolon K'i K'ojonel, was übersetzt soviel bedeutet wie "Lasst uns zusammenkommen".

K'amolon K'i K'ojonel wurde 1987 in Guatemala von Frauen für Frauen gegründet. Nachdem der brutale Bürgerkrieg nach jahrelangen Auseinandersetzungen ein Ende fand, waren die Frauen in Sololá zum großen Teil verwitwet, verarmt und hatten keine Mittel mehr zur Verfügung, um ihre Familien zu versorgen.

Eine kleine Gruppe von Aktivistinnen, welche die prekäre Lage der Frauen in der gesamten Region erfasste, traf sich in der Triunfo-Gemeinde in Pujujil und gemeinsam beschlossen sie, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Mit an ihren Körpern befestigten Rückengurten haben sie sich ihren Weg zur finanziellen Stabilität erkämpft, ob die Welt nun bereit dafür war oder nicht.

Die Resonanz war überwältigend! Sie übten eine Art Gravitationssog auf die vielen Gemeinschaften um sie herum aus. Zunächst schlossen sich andere Witwen der Vereinigung an, und im weiteren Verlauf stießen auch verheiratete Frauen dazu, die ihre Familien unterstützen und ihre finanzielle Unabhängigkeit sichern wollten.

Mit der finanziellen Unterstützung von einzelnen Individuen wie Ronald Spector sowie Organisationen wie PADEL (Kanadische Botschaft) und IDEX (San Francisco) ist K'amolon K'i K'ojonel zu einer mächtigen Ressource für die Frauen in der Region herangewachsen. Heute bieten sie Ausbildungskurse in Nähen, Lesen, Schreiben sowie Gemeindeorganisationen an. Die Vereinigung wird von einem siebenköpfigen Vorstand geleitet, deren Mitglieder alle zwei Jahre neu gewählt werden. Mit mehr als 200 aktiven Mitgliedern hat die Gruppe nicht nur das Leben dieser Frauen, sondern auch das ihrer Familien und ganzer Gemeinden maßgeblich beeinflusst.

Wenn wir uns also die Frage stellen: "Wer hat meine Kleidung gemacht?", dann beziehen sich die Antworten auf echte Menschen. Catarina Julajuj Tzorin sagt, dass sie sich vor ihrem Beitritt zu K'amolon K'i K'ojonel nicht einmal den Mais leisten konnte, den sie für das tägliche Kochen benötigte. Jetzt ist sie in der Lage, sich und ihre Kinder ausreichend zu versorgen. Juana Tun Cuc, eines der ersten Mitglieder der Vereinigung, sagt, dass sie heute in der Lage ist, im Alter mit Würde zu leben. Zoila Tuy Topoz, eines der jüngsten Mitglieder, webt mit Geschick und beendet ihre Arbeit zügig, damit sie anschließend ihrer Mutter, Juana Topoz, helfen kann.

Die Geschichten dieser Frauen erinnern uns daran, dass kein Kunstgegenstand - ob es sich nun um ein Gemälde,ein Schmuckstück, eine Skulptur oder ein Kleidungsstück handelt - von dem Kunsthandwerker, der ihn gefertigt hat, getrennt betrachtet werden kann.

Es sind ihre eigenen Lebensgeschichten, welche die Kunsthandwerker aus Ton formen, in ihre Stoffe weben und in ihre Werke einfließen lassen.

Wenn also die Welt Antworten in Bezug auf die Transparenz ihrer Marken verlangt, dann stehen die Frauen von K'amolon K'i K'ojonel, wie schon seit 30 Jahren, aufrecht und beantworten die Frage, die so viele jetzt stellen.

Mit Ehrfurcht und Stolz halten sie ihren Kopf hoch, und sagen: "Ich habe deine Kleider gemacht."